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Katharina "Käthchen" Paulus, eine Pionierin der Luftfahrt

Die Zellhäuser haben einen besonderen Grund auf ihr Käthchen Paulus stolz zu sein. Denn was sie in ihrer Luftfahrtpionierzeit geleistet hat, war seiner Zeit, als Frau, eine einmalige Leistung.

Vor 110 Jahren, am 28. August 1893, hielten bei einem Volksfest in Nürnberg mehr als 60000 Zuschauer den Atem an: Ein gewisses Fräulein Katharina ("Käthchen") Paulus, am 22. 12. 1868 in Zellhausen geboren, sprang als erste Frau in Deutschland mit einem selbstgenähten Fallschirm aus einem Ballon in 1500 Metern Höhe zur Erde. In der Presse wurde dieses Ereignis nicht mit der entsprechenden Aufmerksamkeit gewürdigt, denn die junge Dame aus Zellhausen wurde wegen ihrer Garderobe als "unschicke" Person abqualifiziert. Die mutige Käthe trug nämlich bei ihrem Auftritt eine weiße Matrosenbluse, Pluderhosen und Stulpenstiefel - und das ziemte sich für eine Frau einfach nicht...

Doch die kümmerte sich wenig um die Kritik der Zeitgenossen und die hämischen Kommentare in der Presse. In den folgenden Jahren absolvierte sie nicht nur 165 weitere Fallschirmsprünge, sondern auch mehr als 700 Fahrten als Ballonführerin.

Ein harter Schicksalsschlag traf sie, als ihr Lebensgefährte und Entdecker Hermann Lattemann 1894 bei einem Fallschirmabsprung in Krefeld tödlich verunglückte. Mit einem Schock wurde Käthchen Paulus ins Krankenhaus gebracht um sich zu erholen. Zahllose Briefe aus allen deutschen Landen machten ihr Mut.

Käthchen Paulus erfand den Paketfallschirm, der im ersten Weltkrieg unzähligen Piloten das Leben rettete. Mittlerweile in Berlin lebend, stellte sie von 1915 bis 1918 in ihrer Näherei 7000 Fallschirme und 1000 Ballonhüllen her. 1935 starb sie; in Berlin-Reinickendorf hat sie ein Ehrengrab der Stadt.

Text:
Pressebüro
Armin A. Wronski DJV/VdM
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