Blühender Apfelbaum

Streuobstpatinnen und -paten gesucht!

Initiative für nachhaltigen Naturschutz

Die Gemeinde Mainhausen, in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft Fledermaus- und Amphibienschutz Seligenstadt und Mainhausen (AgFA), wertet die Kulturlandschaft in der Gemarkung Mainhausen durch die Reaktivierung alter Streuobstwiesen auf. Ziel ist die Naturvielfalt und Lebensqualität der Menschen in Mainhausen zu fördern.

Gepflanzt werden sollen vorzugsweise alte hessische Lokalsorten zum Erhalt der Biodiversität. Eine Liste der Obstsorten und weitere Infos hierzu finden Sie auf der Homepage der AgFA unter www.fledermausschutz-seligenstadt.de Die Baumkronen der Obstbäume bieten Nistmöglichkeiten für Vögel wie den Steinkauz und für baumwohnende Fledermäuse. Das Totholz an älteren Bäumen ist ein wichtiger Lebensraum für Insekten, die die Obstbäume bestäuben, wenn sie Nektar und Pollen sammeln. Die Wiesen um die Apfelbäume sind oft Standorte für zahlreiche seltene und gefährdete Pflanzen und bieten Rückzugsmöglichkeiten für Bodenbrüter. Letztlich wird im Herbst das Obst genutzt, um zum Beispiel Apfelsaft und Apfelwein zu keltern.

Da für die Pflege der Wiesen teilweise schweres Gerät erforderlich ist, ist geplant die Wiesenmahd seitens der Gemeinde zu organisieren. Vorstellbar ist auch die Möglichkeit die Fläche in Zukunft zu beweiden. Auch die Bewässerung der Bäume, vor allem in den ersten fünf Jahren, soll zentral organisiert werden.

Geplant ist die Verpachtung einzelner Streuobstbäume an engagierte Personen, Familien, Vereine oder Firmen, die Freude an der Pflege und Nutzung von Streuobstwiesen haben und einen Beitrag zum Erhalt der für unsere Region typischen Kulturlandschaft leisten wollen. Pflichten der Streuobstpaten ist die naturgerechte Pflege und Nutzung der Wiese ihres Baumes. Hierzu wird die AgFA Schnittkurse anbieten und beim Baumschnitt unterstützend mitwirken. Im Gegenzug steht dem Paten frei das Obst seines Baumes selbst zu nutzen. Alternativ ist geplant das Obst im Rahmen eines Kelterfestes gemeinsam zu ernten und gemeinsam frischen Apfelsaft für den Privatgebrauch zu pressen.

Flyer - Streuobstwiese "Bensbruch" - pdf-DateiWarum sind Streuobstwiesen wichtig?

Streuobstwiesen sind ein Tummelplatz der Artenvielfalt. Mehr als 5.000 Tier- und Pflanzenarten können dort leben. Sie gehören zu den artenreichsten Biotopen in ganz Mitteleuropa. Die hochstämmigen Bäume, die verstreut in der Landschaft stehen, tragen unterschiedliches Obst. Gleichzeitig kann die Wiese als Weideland genutzt werden. Nährstoffe sind eher knapp durch die fehlende Düngung und die maximal zweischürige Mahd. So nimmt keine Pflanzenart überhand. Zahlreiche Arten können dort nebeneinander existieren.

Eine typischer Wiesengesellschaft ist die Glatthaferwiese. Dort wächst neben dem namensgebenden Glatthafer zum Beispiel das Wiesenlabkraut, der Wiesenstorchschnabel und die Wiesenglockenblume. Die vielen unterschiedlichen Pflanzenarten locken wiederum viele Tierarten an: Insekten, kleine Säugtiere, Amphibien und Reptilien. So reiht sich ein Kleinbiotop an das andere.

In der "oberen Etage" leben Tierarten wie Steinkauz, Wendehals, Grün- und Buntspecht. Im alten, knorrigen Obstbaumgehölz finden Fledermäuse und Siebenschläfer Unterschlupf. In der „unteren Etage“ leben Tierarten wie Zauneidechse, Blindschleiche, Ringelnatter, Igel, Kröten, Frösche, Hasen, Wiesel, Spitzmäuse, Mäuse, Rebhühner und Fasane. Dazu kommen tausende von Insekten- und Spinnenarten.

Streuobstwiesen sind oft ein Genpool von alten Obstsorten. Es sind mehr als 1.200 Apfelsorten, 1.000 Birnensorten, 250 Kirschsorten und 320 Zwetschgensorten bekannt. Sie schmecken nicht nur wunderbar aromatisch, sondern tragen auch noch so hübsche Namen wie „Schafsnase“, „Siebenschläfer“ und „Gute Luise“. Typische Vertreter dort sind auch Walnuss und Speierling.

Manche Sorten eignen sich als Tafelobst, andere sind resistent gegen Pilz- und Schädlingsbefall. Manche sind sehr gut lagerfähig, andere für die Herstellung von Marmeladen oder Gelees besser geeignet. Auch für Kuchenbelag und Mostobst sind sie verwendbar. Neben all dem Obst ist auch Honig ein typisches Streuobstwiesenprodukt. Vor allem während der Apfelblüte und der Sommerblumenblüte.

Das Holz der Streuobstwiesenbäume ist edel und von guter Qualität. Birnbaumholz wird zum Beispiel im Musikinstrumentenbau verwendet. Bei Beweidung der Wiesenflächen ist die Erzeugung von Milch, Käse, Wurst und Wolle möglich.

Trotzdem sind die Streuobstwiesenbestände heute stark bedroht. In den 1960er und 1970er Jahren war der Rückgang dramatisch. Der Streuobstbau war betriebswirtschaftlich unrentabel, die Rodung von Streuobstwiesen durch Landesmitteln gefördert. Zweck war Platz für effektiver zu bewirtschaftende Obstplantagen und Bauland zu schaffen.

Seit Anfang der 1970er Jahre setzte ein Umdenkprozess ein. Das Landschaftsbild hatte sich inzwischen durch die Rodungen massiv verändert. Viele heimische Tier- und Pflanzenarten waren verschwunden. Die Einfalt hatte die Vielfalt ersetzt.